#mehralspflege

Was macht eine Pflegeberaterin?

Ich habe mit einer Pflegeberaterin geschnackt und mir erzählen lassen, wie ihr Alltag aussieht und wo hier die Herausforderungen liegen.

Nicole Siemsen, Pflegeberaterin bei der Elbdiakonie

Man hört mittlerweile so gut wie an jeder Ecke, dass die Beratung in der Pflege gestärkt und besser bezahlt werden soll. Ich habe mit Nicole Siemsen geschnackt und mir erzählen lassen, wie der Alltag in der Pflegeberatung so aussieht und wo die Herausforderungen liegen.

Nicole ist Pflegeberaterin in einer Diakoniestation auf St. Pauli. Schon mal vorweg: Sie ist krass lebenserfahren und hat schon super viel ausprobiert. Eigentlich ist sie gelernte Krankenschwester und arbeitete vor vielen Jahren schon mal in der ambulanten Pflege. Irgendwann beschloss sie auszuwandern und hat viele Jahre in Brasilien gelebt und auch ambulant gepflegt. Zurück in Hamburg hat sie am Theater gearbeitet und war später sogar 10 Jahre selbstständig mit ihrem Laden für unrestaurierte Möbel in Eimsbüttel. Mittlerweile ist sie zurück im Pflegealltag und fachweitergebildet im Bereich Gerontopsychiatrie und hauptsächlich in der Pflegeberatung tätig.

Nicole erzählt, dass sie immer dann gerufen wird, sobald ein Pflegegrad beantragt wurde und die Menschen zu Hause nicht so genau wissen, wie sie ihre Pflege und Unterstützung organisieren sollen. Pflegebedürftige, die ausschließlich von ihren Angehörigen unterstützt werden, sind dazu verpflichtet, Beratung in Anspruch zu nehmen. Laut Nicole braucht es zwei Dinge für die Beratung: Ein großes Erfahrungspaket aus dem Leben und ganz viel Fachwissen.

Zu Beginn jeder Beratung checkt sie erstmal, ab welchem Punkt der Schuh ganz akut drückt und was zuerst erledigt werden muss. Wurde dies geklärt, hat sie eine lange Liste an Dingen, die sie abfragt und zu denen sie berät:

  • Kann eine Tagespflege hilfreich sein?
  • Was zahlt die Pflegeversicherung?
  • Muss das Bad umgebaut werden?
  • Wo finde ich weitere Hilfe und Unterstützung bei zum Beispiel Erkrankungen und Schmerzen?

 

Schmerzen sind ein ganz wichtiges Thema, da viele ältere Menschen medikamentös nicht gut eingestellt sind. In diesem Fall vermittelt Nicole an Schmerz- und Physiotherapeuten, die auch nach Hause kommen. Eine große Herausforderung stellen die schnellen Krankenhausentlassungen und Menschen, die eigentlich palliativ, also am Lebensende begleitet werden müssen, dar. Hier muss es mit der Versorgung durch spezialisierte Pflegedienste schnell gehen.

Nicole trifft in ihrem Arbeitsalltag auf die unterschiedlichsten Menschen, vom Kleinkind bis hin zum Sterbenden. Jede Situation zuhause ist besonders und benötigt eine ganz individuelle Beratung und Lösung. Beratung von der Stange gibt‘s hier nicht!

Vielen Dank Nicole, dass du dir die Zeit genommen und uns einen kleinen Einblick in deinen spannenden Arbeitsalltag gewährt hast!

Autor: Martin Villeneuve vom Team Pflege-Blog #mehralspflege