Pflege zukunftsfähig machen?!

Wer pflegt und versorgt uns, wenn wir alt sind? Als ich Kind war in den 70ern, da war nur jede zehnte Person über 67. Schon 2030 wird fast jede vierte Person in Deutschland über 67 Jahre alt sein.

Aktuell gibt es rund 3,3 Mio. Pflegebedürftige. Prognosen gehen davon aus, dass es im Jahr 2045 bis zu fünf Millionen Pflegebedürftige werden können. Eine Republik voller Greise, einer davon könnte ich sein - aber wer kümmert sich dann um mich, wenn ich Hilfe brauche?

Ich hoffe, dass die aktuellen Kampagnen und Aktionen rund um den neuen Pflegeberuf einen Run auf die Ausbildungsplätze auslösen. Pflegepolitik und Pflegebranche sind auf dem Weg. Muss ich mir vielleicht keine Gedanken machen? Aus meinem Job in der PR weiß ich allerdings, dass Glaubwürdigkeit die Voraussetzung für ein positiveres Image des Pflegeberufs ist. Und dass Kampagnen wirkungslos bleiben, wenn die Wirklichkeit am Arbeitsplatz ganz anders als versprochen ist. Grund genug mal nachzufragen - Butter bei die Fische‘ - wie man hier bei uns in Hamburg so schön sagt. Katrin Kell von der Hamburger Diakonie vertritt über 80 Pflegeeinrichtungen in Hamburg und hat meine Fragen beantwortet.

 

Fünf Millionen Pflegebedürftige in 2045 – was können Sie diesen düsteren Zukunftsaussichten entgegnen?

Wir sind uns dieser großen gesellschaftlichen Herausforderung bewusst und bringen uns als Wohlfahrtsverband mit unseren Stärken in die Gestaltung der Pflege ein, bundesweit und hier vor Ort in Hamburg. Diakonische Pflege bedeutete schon immer Hilfe direkt in der Nachbarschaft. Heute fördern wir die Vernetzung von Pflegeeinrichtungen, den Kirchengemeinden und den Wohnquartieren. Wir gestalten neue Wohnformen für Menschen im Alter mit, direkt am Wohnort. Und wir müssen unbedingt eine gute Kombination aus professioneller Pflege, Unterstützung durch Angehörige sowie ehrenamtlichem Engagement und Nachbarschaftshilfe hinbekommen. Für diese Vernetzung und Koordination muss aber auch das nötige Geld zur Verfügung gestellt werden, dafür setzen wir uns ein.

Und in den Verhandlungen mit Kostenträgern setzen wir uns kontinuierlich für bessere Rahmenbedingungen in der Pflege ein, die allen zugutekommen.

 

Das klingt nach tollen Netzwerken - aber was überzeugt Pflegekräfte, in Ihren Einrichtungen zu arbeiten?

Wir machen uns bundesweit als Diakonie für gute Bezahlung in der Pflege nach Tarif stark. In den diakonischen Einrichtungen in Hamburg ist die Bezahlung nach attraktiven Tarifen schon lange selbstverständlich. Insgesamt sind die Rahmenbedingungen bei uns, insbesondere das Gehalt, doch sehr viel besser real als man häufig vermutet.

Berufseinsteiger verdienen als ausgebildete Pflegekraft rund 2.800 Euro brutto. Die Ausbildungsgehälter lassen sich ausgesprochen gut sehen, da verdient man über 1.000 Euro in den ersten drei Lehrjahren.

Wir können eine sinnstiftende und befriedigende Tätigkeit in der Pflege bieten. Wir hören immer wieder, dass es jungen Menschen nicht unbedingt darum geht, wie "hip" ihr Job ist, sondern dass sie etwas tun wollen, was Sinn macht. Da steht der Pflegeberuf mit an erster Stelle. Ausgesprochen gute Karrieremöglichkeiten sind ein weiteres wichtiges Argument für eine Tätigkeit bei uns.

Mein Wunsch: Wir sollten das Image der Pflegeberufe aufpolieren, die Pflegekräfte haben es verdient!

 Katrin Kell leitet den Fachbereich Pflege und Senioren im Diakonischen Werk Hamburg

Wie wird denn Wertschätzung gelebt im Berufsalltag von diakonischen Einrichtungen?

Ganz grundsätzlich gehört der wertschätzende, respektvolle Umgang mit Mitarbeitenden, Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zum diakonischen Selbstverständnis. Die Haltung, jede und jeden in ihrer/seiner Individualität wahrzunehmen, gehört sozusagen zu unserer christlichen Grundhaltung.

Unsere Arbeitgeber haben viele individuelle Maßnahmen für Mitarbeitende entwickelt, in denen sich diese Haltung widerspiegelt, vieles ist auch in unseren Tarifverträgen verankert. Hier einige Beispiele:

  • Wir kümmern uns um ein mitarbeiter-, familien- und gesundheitsfreundliches Arbeitsumfeld.
  • Wir fördern die Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Moderne, flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen Teilzeitarbeit (oder die Rückkehr zur Vollzeit).
  • Wir ermöglichen persönliche und berufliche Entwicklung und unterstützen mit betrieblicher Gesundheitsförderung, Supervision und Seelsorge.

Autor: Kirsten Ruhnke (rhunke@diakonie-hamburg.de) vom Team Pflege-Blog #mehralspflege