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Bin an Bord: Die Pflege und ihr schlechtes Image

Stefanos Karafotis hat sich nach seinem Zivildienst als Hausmeister in einem Pflegeheim für eine Ausbildung als Pfleger entschieden. Was ihm aufgefallen ist, war das schlechte Image.

Stefanos ist 31 Jahre alt und für das Qualitätsmanagement der drei stationären Einrichtungen der ELIM Diakonie Hamburg verantwortlich. Seine Karriere in der Pflege startete allerdings bereits während seines Zivildienstes, in dem er den Hausmeister unterstützte. In dieser Zeit bekam er einen ersten Einblick in die Pflege und entschied sich im Anschluss für eine Ausbildung zum Pfleger. Ich war neugierig und wollte mehr über seinen Weg in die Pflege und die Reaktionen aus seinem persönlichen Umfeld erfahren.

 

Stefanos, wie lange hast du als Pfleger gearbeitet und wie bist du dazu gekommen?

Ich habe sieben Jahre als Pfleger gearbeitet. Der Einstieg kam durch meinen Zivildienst. Hier habe ich den Hausmeister in einem Pflegeheim unterstützt und bekam so einen ersten Einblick in die Pflege. Das hat mich neugierig gemacht und ich wollte mich einbringen, also entschied ich mich für eine Ausbildung zum Pfleger.

 

Was ist für dich das besondere an der Arbeit eines Pflegers?

Ich finde sowohl die Themen als auch die Arbeit mega spannend! Der direkte Kontakt mit den Bewohnern hat mir immer so viel gegeben. Ich finde es toll, jemandem zu helfen, aber auch so viel Dankbarkeit und Freude zurück zu bekommen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen machen diesen Beruf so besonders.

 

Wie hat dein Umfeld auf die Pflegeausbildung reagiert?

Ich erinnere mich noch an die anfänglichen Reaktionen meiner Freunde und Bekannten, als diese von meiner Ausbildung in der Pflege erfuhren. Sie sagten „Wie kannst du sowas machen?“, meinten es aber nicht böse oder negativ, sondern eher anerkennend. Sie konnten da einfach nichts mit anfangen, da sie bisher keine Berührungspunkte mit dem Bereich hatten. Genau genommen schwangen eher Respekt und Anerkennung in der Aussage mit, da die Arbeit sehr anstrengend ist und die Themen in diesem Job ja auch besonders sind.

 

Wo denkst du kam diese anfängliche Distanz her?

Nach meinem Empfinden hat ein Großteil der Gesellschaft oft noch keine direkten Berührungspunkte mit Pflegeheimen gehabt. Eine Meinung ist hier, wenn überhaupt, durch negative, mediale Berichterstattung geprägt oder jemand im Bekanntenkreis hatte mal ein schlechtes Erlebnis in Verbindung mit einer Einrichtung und prägt damit sein gesamtes Umfeld. Daher habe ich häufig den Eindruck gewonnen, dass Menschen mit einem Pflegeheim Gefühle wie Angst, Unsicherheit und sogar Abscheu verbinden. Ein direkter Bezug oder ein positives Erlebnis fehlen. Oder es fehlt eben jemand, der aus erster Hand positives berichten kann!

 

Hast du eine Idee, was man dieses negative Image verbessern könnte?

Ich finde, man sollte Orte des Austausches schaffen. Momentan haben Menschen von außen oft gar keinen Zugang zu Altenheimen und genau das schafft diese Distanz. Ein einfacher Weg ist, dass Pflegeheime mit Veranstaltungen oder Aktionen die Türen für die Gesellschaft und insbesondere für die Leute aus dem eigenen Kiez öffnen. Bei uns in Eppendorf arbeiten wir zum Beispiel mit Kindergärten zusammen und wir haben eine eigene offene Musikgruppe. Das ist ein guter Weg, das Imageproblem zu verbessern. Mein Tipp: Fahrt bei Gelegenheit mal bei einem Pflegeheim in eurer Nachbarschaft vorbei und lasst euch das Haus und die Atmosphäre zeigen. Das kann schon ganz viel Distanz nehmen!

 

In den nächsten Wochen erzählen weitere Menschen hier in unserem Pflege-Blog von ihrer Arbeit in der Pflege.

Autor: Christiane Wolter vom Team Pflege-Blog #mehralspflege