Hamburger Radfahrwetter

Der Zwiebellook für selbstbewusste Models

All diejenigen, die schon einmal in der ambulanten Pflege gearbeitet haben, kennen das Problem.

Es ist mal wieder Herbst! In Hamburg gefühlt von Ende September bis Anfang Mai durchgehend. Kein Witz! Ja, ja, statistisch gesehen hat die Hansestadt mehr Sonnenstunden als Stuttgart. Wer bitteschön glaubt denn eigentlich solchen Statistiken?

Mit stetig sinkenden Temperaturen, Wind, Schietwetter und am Ende Frost und Schnee, werden zusätzliche Schichten am Körper getragen. Dabei kommt es auf die Qualität an. Mit einem Polyester-Kapuzenpullover kommt man auf dem Rad garantiert ins Schwitzen – das dann in der Kälte, das wird wirklich ekelig. Also Baumwolle oder Funktionswäsche am Körper, darüber Baumwolle und ein Wollpullover, darüber eine warme Weste, darüber eine winddichte Jacke und dann noch Regenzeug, wenn es nass wird. Natürlich gehört auch die obligatorische Plastiktüte für einen trockenen Sattel zur Grundausstattung. Oft rächt es sich, wenn man denkt, man schafft es schnell noch bis zum nächsten Patienten und lässt deshalb die Regenhose im Rucksack. Mütze, Kapuze und gute Handschuhe sind ein geschätzter Winterschutz. Ebenfalls beliebt sind Wollstutzen für die Schienbeine und nicht zu vergessen der Schaal, den man über Mund und Nase ziehen kann. Die meisten Patienten kennen den Auftritt und reagieren mit Verständnis, wenn man in der Wohnung erst einmal die Zwiebel schälen muss. „Lassen Sie sich Zeit, kommen Sie erst einmal an“, heißt es dann und die Zeit muss im Winter auch sein. Auch wenn der Einsatzplan dies nicht so recht vorsieht. Muss aber auch sein, denn im Wollpullover pflegen, da würde man alles Gelernte und die Hygiene über Bord werfen. Und der Arbeitsschutz redet auch noch mit. Kapuzen versperren einem leicht die Sicht nach links und rechts. Mindestens im Dunkeln gehört auch noch eine Warnweste über die dicke Zwiebel. Und um das Outfit perfekt zu machen: Rutschfeste blaue Überzieher für die matschigen Schuhe.

Diese extravagante Mode benötigt selbstbewusste und in sich ruhende Models, wie man sie nur bei Krankenpflegekräften und in der Altenpflege findet.

Der Zwiebellook in Verbindung mit Fahrradfahren und viel frischer Luft macht gesund. Infektionskrankheiten perlen an einem ab, die Kohle für das Fitnessstudio kann man sich sparen und das Fitness-Tagessoll auf dem Handy erfüllt sich von selbst. Wer bietet so viel positive Energie am Arbeitsplatz?

Frühling und Sommer wiederum kennen den Zwiebellook nicht. Da kann man einfach das tolle Wetter genießen und sich zwischen den Patienten richtig auslüften – das ist auch immer wieder wichtig.

Autor: Martin Villeneuve (villeneuve@diakonie-hamburg.de) vom Team Pflege-Blog #mehralspflege in Zusammenarbeit mit Hans-Jürgen Rubarth, Einrichtungsleiter in der Hauspflegestation Barmbek Uhlenhorst.