Bin an Bord

Quereinstieg: Vom Supermarkt ins Pflegeheim

„Mit einer Dose Erbsen kann ich mich nicht unterhalten!“ Stefan Nawa ist 51 Jahre alt und seit 2018 Pflegehelfer im Seniorenzentrum St. Markus der Martha-Stiftung. Zuvor war er viele Jahre als Einzelhandelskaufmann im Supermarkt tätig. Warum er nun lieber mit pflegebedürftigen Menschen, statt mit Lebensmitteln arbeitet und wie der Quereinstieg für ihn war, erzählte er mir in einem Interview.

Stefan, warum hast du dich für einen Berufswechsel entschieden?

Ich habe festgestellt, dass mir der Einzelhandel zu langweilig wird. Es hat mir keinen Spaß mehr gebracht, an der Kasse zu sitzen und Regale aufzufüllen. Ich war auch einige Zeit Marktleiter. Auch dabei habe ich gemerkt: Mit einer Dose Erbsen kann ich mich nicht unterhalten, ich bekomme kaum Feedback zu meiner Arbeit. Ich hatte schon einige Jahre vorher mal in die Pflege reingeschnuppert und mich dann 2015 für den Neuanfang in der Altenpflege entschieden. Seitdem bin ich Pflegehelfer und fühle mich einfach gut, wenn ich nachhause komme. In der Pflege bekomme ich so viel wieder, sei es von den Bewohnern oder von meinen Kolleginnen und Kollegen. Das ist wirklich schön und mit keinem anderen Job zu vergleichen.

Wie war dein Quereinstieg?

Ich wurde hier toll aufgenommen und von Anfang an mit ins Boot geholt. Da habe ich gemerkt, hier zählt wirklich der Mensch. Ich habe zuvor lange im Internet recherchiert und überlegt, ob ich in einem privatwirtschaftlichen Pflegeheim oder in einem der Diakonie arbeiten möchte. Aber ich habe mich dann schnell für ein diakonisches entschieden. Menschen im letzten Abschnitt ihres Lebens zu begleiten hat auch viel mit Glaube zu tun. Wo lässt sich das besser miteinander verbinden als in einer Einrichtung der Diakonie?

Ich habe auch festgestellt, dass die Altenpflege ein Beruf ist, der wirklich was mit Berufung zu tun hat. Alle meine Kollegen und auch ich sind wirklich mit Herz und Verstand bei der Arbeit.

Hast du noch einen Tipp für Menschen, die sich beruflich umorientieren und in die Pflege gehen wollen?

Auf jeden Fall mal einen Tag reinschnuppern oder ein Praktikum machen, um zu sehen, was Pflege wirklich bedeutet. Es ist nämlich viel mehr als „nur“ Körperpflege. Es ist ein Beruf, der unheimlich viel Spaß bringt. Viele sagen, der Schichtdienst hält sie davon ab, denn man muss arbeiten, wenn andere frei haben. Ich sehe es umgekehrt: Ich habe frei, wenn andere arbeiten müssen. Arzttermine kann ich innerhalb der Woche an freien Tagen vereinbaren, für die Arbeit am Wochenende gibt es Zuschläge. Früh- und Spätschicht – das ist wirklich toll! Ich fahre gerne auf der Alster und den Kanälen Kajak. Im Sommer kann ich das wirklich richtig genießen, denn nach dem Frühdienst gehe ich paddeln! Ich sehe in meinem Beruf als Pflegehelfer nur Vorteile und bin sehr froh, diesen Schritt gemacht zu haben.

Autor: Xenia Kalkmann (kalkmann@diakonie-hamburg.de) vom Team Pflege-Blog #mehralspflege